Direkt zum Hauptbereich

Deine Kunden wissen, warum sie zu dir kommen. Weißt du es auch?

Mach mal einen Test. Öffne die Websites von drei Betrieben hier aus der Gegend, die dasselbe machen wie du. Lies die Seite „Über uns“.

Ich wette, da steht: Qualität. Zuverlässigkeit. Familienbetrieb in dritter Generation. Der Kunde steht bei uns im Mittelpunkt.

Bei allen dreien. Fast wortgleich.

Und jetzt schau auf deine eigene Seite.

Ich frag das nicht, um dich vorzuführen. Ich frag, weil dahinter etwas steckt, das dich bares Geld kostet. Wenn du klingst wie alle anderen, muss der Kunde nach etwas anderem entscheiden. Und wenn er nichts anderes findet, entscheidet er nach dem Preis.

Jetzt sagst du vielleicht: Meine Kunden kommen über Empfehlung, die schauen gar nicht auf die Website. Das stimmt auch. Nur schauen sie trotzdem nach. Der Nachbar sagt einen Namen, und was macht der Kunde? Er tippt ihn ins Handy. Und findet dort dieselben Sätze wie bei zweien, die ihm niemand empfohlen hat.

Warum alle dasselbe schreiben

Das hat einen ziemlich vernünftigen Grund.

Wenn du eine Website brauchst und nicht weißt, was du schreiben sollst, schaust du nach, was die anderen schreiben. Ist ja logisch. Nur schauen die anderen auch nach, und zwar bei wieder anderen. So wandern dieselben paar Sätze durch eine ganze Branche, und irgendwann glaubt jeder, dass man das eben so schreibt.

Dazu kommt: „Qualität“ ist der sicherste Satz der Welt. Niemand widerspricht dir. Kein Kunde springt ab.

Aber genau da liegt der Haken. Ein Satz, bei dem niemand widerspricht, ist auch einer, den sich niemand merkt.

Zwei Maler, dieselbe Leistung – und trotzdem nicht dasselbe

Stell dir zwei Malerbetriebe vor. Gleiche Arbeit, gleiche Preisklasse.

Der eine kommt, macht die Arbeit sauber und schnell, redet wenig, ist am Freitag fertig. Du weißt genau, woran du bist.

Der andere setzt sich erst mal hin, schaut sich das Haus an, erklärt dir, warum die Südwand ein anderes Material braucht, und macht dir drei Vorschläge.

Beide sind gut. Aber sie sind nicht dasselbe, und jeder Kunde merkt den Unterschied nach zehn Minuten. Auf beiden Websites steht: Qualität und Zuverlässigkeit.

Und hier machen fast alle denselben Denkfehler. Sie glauben, so eine Betriebspersönlichkeit muss man sich ausdenken. Hinsetzen, überlegen, wer man gern wäre, und das dann auf die Website schreiben.

So läuft das nicht – und zum Glück musst du das auch gar nicht. Dein Betrieb hat das längst. Deine Kunden spüren es bei jedem Anruf, auf jeder Baustelle, bei jeder Rechnung. Sie sagen es dir nur nicht von selbst, weil sie noch nie jemand gefragt hat.

Es gibt zwölf solcher Rollen. Fünf reichen dir.

Zwei Amerikanerinnen, Margaret Mark und Carol Pearson, haben das 2001 einmal sauber sortiert. In ihrem Buch „The Hero and the Outlaw“ beschreiben sie zwölf Rollen, die ein Betrieb einnehmen kann. In der Fachwelt heißen die anders und ziemlich hochtrabend. Ich nehm hier die Wörter, die man auch über sich selbst sagen würde.

Der Kümmerer denkt mit. Der Installateur, der beim Heizungstausch von sich aus fragt, ob man die Leitung im Bad gleich mitmacht – weil sie in fünf Jahren sowieso dran wäre.

Der Erklärer bringt dir bei, worum es geht. Er verkauft dir auch mal nichts und sagt dir, dass du noch ein Jahr warten kannst. Das ist der zweite Maler von vorhin, der mit der Südwand.

Der Verlässliche hat alles im Griff. Termin steht, Preis steht, am Freitag ist Schluss. Der erste Maler.

Der Tüftler macht Sachen, die es so nicht zu kaufen gibt. Bei ihm bekommst du keine Katalogware. Viele Tischler sind das, viele Fotografen auch.

Der Normale redet, wie dir der Schnabel gewachsen ist. Kein Getue, kein Hochglanz. Ganz viele Dorfbetriebe sind genau das, ohne es je so genannt zu haben.

Merkst du was? Wahrscheinlich hattest du beim Lesen schon jemanden vor Augen. Vielleicht dich selbst. Wenn du dich in keiner der fünf wiedererkennst: Es gibt noch sieben andere, und eine passt.

Drei Haken hat die Sache

Der erste: Du nimmst die Rolle, die dir gefällt, statt der, die du wirklich lebst. Wenn auf der Website der geduldige Erklärer steht, du am Telefon aber nach zwei Minuten fertig sein willst, merkt das der Kunde beim ersten Anruf. Dann hast du nichts gewonnen – du hast sogar was verloren.

Der zweite: Du willst alles gleichzeitig sein. Zuverlässig und kreativ und günstig und persönlich. Und schon klingst du wieder wie alle anderen.

Der dritte wird meistens übersehen: Jede Rolle hat eine Kehrseite, und die kriegt man gratis dazu. Der Kümmerer ruft einmal zu oft an und nimmt dem Kunden Entscheidungen ab, die der selber treffen wollte. Der Erklärer redet zwanzig Minuten über die Südwand, obwohl der Kunde nur wissen wollte, was es kostet. Und beim Verlässlichen traut sich am Ende keiner mehr zu fragen, ob man den Termin nochmal verschieben könnte. Wenn du deine Rolle kennst, kennst du auch die Falle, in die du am ehesten tappst.

Eines noch: Das ersetzt nicht die Frage, was du überhaupt anbietest und für wen. Wenn das unklar ist, hilft dir die schönste Persönlichkeit nichts.

Fünf Anrufe, und du weißt es

Wie findest du jetzt raus, welche Rolle du wirklich lebst? Du brauchst dafür keine Agentur und keinen Workshop. Du brauchst fünf Telefonate.

Nimm die Kunden, die seit Jahren wiederkommen. Und fang so an, damit keiner denkt, es sei was passiert:

„Herr Gruber, ich hab keine Reklamation und will Ihnen nichts verkaufen. Wir schreiben gerade unsere Website neu, und da wollte ich Sie was fragen. Dauert zwei Minuten.“

Dann die Frage: „Warum kommen Sie eigentlich immer zu uns?“

Und jetzt kommt der Teil, an dem die meisten aufgeben. Denn die erste Antwort ist fast immer: „Ihr seid halt gut“ oder „passt einfach“. Damit kannst du nichts anfangen. Also frag nach – und diese zweite Frage ist die eigentliche:

„Können Sie sich an eine Situation erinnern, wo Sie gedacht haben: gut, dass ich die angerufen hab?“

Da kommt die Geschichte. Und in der Geschichte steckt deine Rolle.

Ich hab Kunden Sachen sagen hören wie „weil ich Sie anrufen kann und Sie gehen ran“ oder „weil Sie mir letztes Jahr abgeraten haben“. Kein einziges Mal war es das, was der Betrieb selbst für seine Stärke hielt.

Zwei praktische Sachen dazu. Erstens: Beim Telefonieren kannst du nicht mitschreiben und zuhören gleichzeitig. Mach dir Stichworte und schreib direkt nach dem Auflegen zwei Minuten lang auf, wie der Kunde es gesagt hat – mit seinen Wörtern, nicht mit deinen. Zweitens: Lass lieber deine Bürokraft anrufen als dich selbst. Dem Chef sagt niemand gern was Unangenehmes, und genau das Unangenehme wäre interessant.

Was bei mindestens drei von fünf Kunden vorkommt, ist deine Rolle. Und wenn fünf Leute fünf verschiedene Sachen sagen? Dann hast du auch ein Ergebnis, nur ein anderes: Dein Betrieb läuft beim Chef anders als beim Vorarbeiter. Das ist wichtiger als jeder Website-Text.

Der Aufwand: eine gute halbe Stunde. Nimm dir trotzdem einen ruhigen Vormittag dafür, nicht die Zeit zwischen zwei Baustellen.

Und was bringt dir das?

Wenn du weißt, wer du bist, wird einiges einfacher. Die Texte für die Website schreiben sich fast von allein, weil du die Sätze deiner Kunden schon auf dem Zettel hast. Du siehst schneller, welche Anfragen zu dir passen und welche du besser weitergibst. Und du weißt, was du bewusst nicht machst.

Das ist übrigens die letzte Probe: Frag dich, was du wegen deiner Rolle bewusst weglässt. Fällt dir dazu nichts ein, hast du sie noch nicht gefunden – dann hast du nur einen neuen schönen Satz.

Lieber langweilig und wahr als spannend und erfunden. Den Unterschied merkt der Kunde spätestens beim zweiten Termin.


Quellen

Aus unseren Blogs

Recherche


Über den Autor

Florian Berger, Jahrgang 1981, führt BERGER+TEAM in Bozen und arbeitet seit über zwanzig Jahren mit inhabergeführten Betrieben in Südtirol und im Alpenraum. Er baut Marken, Websites und Abläufe und arbeitet dafür im Kollektiv mit Spezialisten statt in einer Agenturstruktur, ohne Aufschlag für Verwaltung. Sein Maßstab bleibt der Win-Win-Win: Der Kunde findet den Betrieb, der wirklich zu ihm passt, der Betrieb hört auf, um den Preis zu kämpfen, und die Region behält Handschriften statt Austauschbarkeit.

Kommentare

Beliebte Posts

Kollaborative Intelligenz: Mensch-Maschine-Teams der nächsten Generation

Stell dir vor, dein Startup arbeitet Hand in Hand mit Künstlicher Intelligenz – nicht als Konkurrent, sondern als Teamplayer. Kollaborative Intelligenz ist genau das: Mensch-Maschine-Teams, die gemeinsam neue Wege gehen und echte Durchbrüche erzielen. Warum solltest du das jetzt nutzen? Ganz einfach: KI ist nicht mehr nur ein Werkzeug – sie wird zum Partner, der Daten blitzschnell auswertet, Muster erkennt und dir kreative Vorschläge macht. Zusammen mit deinem Team entstehen so Lösungen, auf die ein Mensch allein nie gekommen wäre. Die Resultate? Schnellere Entscheidungen, mehr Innovationskraft und Prozesse, die dich flexibel und fit für den Wettbewerb machen. Unternehmer, die den Sprung wagen, sichern sich heute schon den Vorsprung von morgen. Willst du wissen, wie du Mensch-Maschine-Teams in deinem Unternehmen praktisch einsetzt und warum kollaborative Intelligenz das neue Must-have für Startups ist? Erfahre mehr in unserem aktuellen Artikel: Jetzt mehr ...

Virtuelle Influencer und Avatare

Stell dir vor, dein nächster Markenbotschafter ist immer online, immer frisch und niemals müde – und existiert nur digital. Willkommen in der Welt der virtuellen Influencer und Avatare! Gerade für Startups und Unternehmer bieten KI-gestützte Avatare eine spannende Chance: Sie verleihen deiner Marke ein einzigartiges Gesicht, sprechen gezielt neue Zielgruppen an und sind sowohl flexibel als auch kontrollierbar. Ob im Metaversum, auf Social Media oder für innovative Werbekampagnen – mit virtuellen Influencern kannst du Trends setzen, ohne auf klassische Testimonials angewiesen zu sein. Dabei stehst du nicht nur für Innovation, sondern steuerst auch Risiken aktiv: Keine Skandale, totale Kontrolle über die Markenbotschaft und ein Image, das du zu 100% selbst bestimmst. Klingt nach Zukunft? Ist schon Realität! Wie das konkret aussehen kann und warum gerade jetzt der richtige Zeitpunkt ist, sich mit virtuellen Avataren auseinanderzusetzen, erfährst du in unserem aktuellen Ar...

Content-Erstellung mit KI: Chancen und Herausforderungen für Texter und Marketer

Du möchtest mit deinem Startup aus der Masse herausstechen? Im digitalen Marketing-Alltag bieten dir KI-Tools beeindruckende Möglichkeiten, Content schneller und effizienter zu erstellen. Doch wie bleibst du dabei authentisch und rechtlich auf der sicheren Seite? Künstliche Intelligenz kann Texte, Bilder und sogar Videos produzieren, die auf den ersten Blick überzeugen. Die kreative Eigenleistung darf dabei aber nicht verloren gehen, denn deine Marke lebt von Individualität. Wie findest du die Balance zwischen smartem KI-Einsatz und deiner unverwechselbaren Tonalität? Gleichzeitig lauern rechtliche Stolpersteine: Wem gehören eigentlich Inhalte, die von einer KI generiert wurden? Und wie gehst du mit Quellenangaben und Datenschutz um? Wir zeigen dir, wie du Risiken minimierst und mit KI-gestütztem Content nachhaltig Vertrauen gewinnst. Starte jetzt und entdecke praxisnahe Strategien für innovative Content-Erstellung, die begeistert – und rechtlich sauber bleibt. L...