In den nächsten Wochen klingelt vermutlich das Telefon. Der Kassier vom Sportverein, einer von der Feuerwehr, jemand vom Komitee fürs Dorffest. Neue Saison, gleiche Frage: Bist du wieder dabei?
Du bist wieder dabei. Wie jedes Jahr. Und wie jedes Jahr redet ihr zwei Minuten über den Betrag und keine Sekunde darüber, was du dafür bekommst.
Denn du zahlst da für etwas, das im Netz gar nicht stattfindet – weil nie jemand gesagt hat, wo dein Name stehen soll.
Dein Logo hängt am Plakat. Und dann?
Stell dir einen Elektriker vor, achtes Jahr Trikotsponsor beim Verein im Dorf. Sagen wir fünfhundert Euro im Jahr. Sein Sohn spielt dort, sein Vater hat schon gezahlt, die Frage stellt sich für ihn gar nicht.
Er macht das auch nicht, damit was zurückkommt. Er macht es, weil es sein Dorf ist. Das ist ein guter Grund, und der bleibt auch stehen.
Trotzdem: Schau mit ihm mit. Er öffnet die Vereinsseite und klickt auf „Sponsoren“. Da liegen sie, ordentlich nebeneinander, lauter Logos. Seines ist dabei.
Und sonst? Nichts. Kein Satz, keine Zeile, kein Wort. Nicht, was er macht. Nicht, wo er sitzt. Nicht, dass er die Beleuchtung im Vereinshaus eingebaut hat.
Am Ende der Saison kommt das Plakat in den Keller. Auf der Vereinsseite steht dann immer noch dasselbe über ihn: sein Logo, sonst nichts.
Und hier liegt der Denkfehler, nicht beim Verein. Du gehst davon aus, was du fürs Sponsoring bekommst, sei vorgegeben – Trikot, Plakat, fertig. Nachfragen gehört sich nicht. Du bist ja froh, wenn du helfen kannst.
Dabei steht das nirgends geschrieben. Es hat nur nie jemand gefragt.
Ein Logo ist ein Bild. Ein Satz ist Text.
Ein Logo ist ein Bild. In einem Bild steht kein Text. Wer „Elektriker“ und den Ortsnamen eintippt, kommt auf dieser Sponsorenseite nie an – weil das Wort „Elektriker“ dort nirgends steht. Das Logo sieht nur, wer die Seite ohnehin schon offen hat.
Ein Satz dagegen ist Text. Der lässt sich finden, weiterschicken, zitieren.
Dazu kommt das, was diesen einen Satz besonders macht: Er steht nicht bei dir. Auf deiner eigenen Seite steht, dass du gut bist – das steht auf jeder Seite. Wenn der Verein schreibt, wer ihm die Beleuchtung eingebaut hat, hat der Verein nichts davon. Genau deshalb liest ein Kunde es anders.
Das heißt nicht, dass deine eigene Seite weniger zählt. Bei Öffnungszeiten, Leistungen und Preisen führt der Weg genau dorthin, und nur dorthin. Aber bei der Frage, wer denn gut ist, zählt vor allem, was woanders über dich steht. Und dafür braucht es nicht einmal einen Verweis auf deine Seite. Dein Name im richtigen Zusammenhang genügt, mit Gewerk und Ort daneben.
Findet die Vereinsseite überhaupt jemand? Das kannst du selbst prüfen, bevor du anrufst. Tipp den Vereinsnamen und das Wort „Sponsoren“ ein und schau, ob die Seite auftaucht. Kommt nichts, weißt du Bescheid.
Ob daraus je ein Auftrag wird, weiß niemand, und wer dir das verspricht, hat es sich ausgedacht. Sicher ist nur die andere Richtung: Was nirgends steht, findet auch keiner.
Was du beim nächsten Anruf sagen kannst
Also zurück zum Telefon. Der Kassier fragt, ob du wieder dabei bist, du sagst ja – und dann sagst du noch einen Satz dazu.
Bitte um einen Satz auf der Sponsorenseite, in dem dein Name als Text steht. Drei Sachen gehören hinein: dein Betriebsname, dein Gewerk, dein Ort. Setz deine eigenen Wörter ein, ungefähr so: „Unser Trikotsponsor ist der Elektrobetrieb von [Name] aus [Ort]; er hat auch die Beleuchtung im Vereinshaus gemacht.“
Zwei Dinge machen es dem anderen leicht. Erstens: Schick den Satz fertig getippt hin, damit ihn niemand formulieren muss. Zweitens: Sag dazu, warum es dem Verein hilft. Eine Sponsorenseite, auf der Sätze stehen statt nur Logos, zeigt dem nächsten Sponsor, dass hier jemand mitdenkt. Kosten tut es den Verein keinen Cent.
Und es bleibt eine Bitte. Nein ist eine mögliche Antwort. Wer die Vereinsseite pflegt, macht das abends nach der Arbeit. Rechne mit ein paar Wochen und einer freundlichen Erinnerung dazwischen. Die Hürde ist nicht der gute Wille, sondern die Frage, wer überhaupt an die Seite drankommt.
Und wann lässt du es besser bleiben? Wenn der Verein gar keine eigene Seite hat, sondern nur eine Facebook-Seite. Oder wenn die Seite zuletzt vor Jahren angefasst wurde. Dann ist das Plakat die Gegenleistung, und das ist völlig in Ordnung. Dräng nicht.
Nachschauen kostet dich am Montag keine halbe Stunde. Schreib die Vereine auf, an die du im Jahr etwas zahlst. Öffne der Reihe nach ihre Seiten, drück Strg+F und tipp deinen Betriebsnamen ein. Was das Suchfeld nicht findet, steht nur im Bild. Bei einem davon rufst du selber an, ohne auf den Kassier zu warten – bei dem, dessen Seite am lebendigsten aussieht.
Das Plakat kommt nach der Saison in den Keller. Der Satz auf der Vereinsseite bleibt stehen, Jahr für Jahr, für dasselbe Geld, das du sowieso schon zahlst.
Quellen
Aus unseren Blogs
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Über den Autor
Florian Berger, Jahrgang 1981, führt BERGER+TEAM in Bozen und arbeitet seit über zwanzig Jahren mit inhabergeführten Betrieben in Südtirol und im Alpenraum: Marken, Websites, Abläufe. Gearbeitet wird im Kollektiv mit Spezialisten statt in einer Agenturstruktur, ohne Aufschlag für Verwaltung. Sein Maßstab bleibt der Win-Win-Win: Der Kunde findet den Betrieb aus seiner Gegend, der Betrieb bekommt für sein Geld etwas, das bleibt, und der Verein im Dorf hat einen Sponsor, der wiederkommt.
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